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28 August 

Start: Calopezzati    Ziel: Giovinazzo    251 km

(Änderungen vorbehalten)

 

 

 

Das ist ein „Gänsehauterlebnis“. In der Nacht zuvor schlecht geschlafen. Alle waren angespannt.

Werden wir es auch schaffen? Haben wir uns vielleicht zu viel vorgenommen? 2.100 km in 7 Tagen sind eine ganze Menge.

 

8.00 Uhr Empfang und Verabschiedung auf der Piazza Garibaldi. Selbst das Fernsehen RAI ist anwesend und nimmt das Event auf. Zwei italienische Freunde, Domenico (55 Jahre) und Carlos (54 Jahre) werden die gesamte Tour mit uns fahren.

 

Ca. 30 Radfahrer aus Calopezzati und Umgebung begleiten uns die ersten 40 km. Die Bevölkerung ist trotz der frühen Morgenstunden zahlreich anwesend. Bernd, unser Teamkapitän, bedankt sich für die überwältigende Gastfreundschaft, die wir in Calopezzati erfahren durften, und es werden kleine Geschenke überreicht (Medaillen, Trikots und 1 Bild).

 

Die Polizei macht für uns die Straßen frei, und ca. 40 Radler mit Bürgermeister Dr. Gennaro Bianco, der die ersten 10 km mitfährt, machen sich auf den Weg. Immer wieder winken uns die Bürgerinnen und Bürger zu und applaudieren den Sportlern. Wir haben ein „Gänsehautgefühl“. Die ersten 40 km rollen zügig vorbei. Um 9.00 Uhr zeigt das Thermometer bereits 34°. Rossano, Trebisacce, und Paloggione werden durchfahren. Immer wieder herrliche Blicke auf das Ionische Meer. Dann die ersten Berge Richtung Bari. Nicht schlapp machen. Der Stern sticht unerbittlich und inzwischen werden 39 ° gemessen; die Luft in den Lungen wird knapp. Aber wir liegen gut in der Zeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 30 km/h.

 

Nach 45 km wechselt das Team und man hat Zeit zur Regeneration oder muss einkaufen bzw. die Begleitfahrzeuge fahren. Einige radeln eine „Doppelschicht“.

 

In der Ferne taucht die Kathedrale von Bitonto auf, ein imposantes Gebäude. Aufgrund von Verkehrsregelungen müssen wir einige Umwege fahren. Vor dem Zielort Giovinazzo erwarten uns gegen 17.30 Uhr die Polizei und weitere Sportlerinnen und Sportler, die uns von dort zum Rathaus geleiten. Hier Empfang durch Repräsentanten der Stadt mit kleinem Imbiss.

 

Glücklich erreichen wir schließlich dem Campingplatz, zunächst Wäsche waschen und duschen, dann gemeinsames Abendessen, welches unsere italienischen Freunde mitgebracht haben (Pizza und Wein). Ein toller Tag geht zu Ende.

  

Spruch:            Mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken.

 

 

 

Eine Geschichte von Bernd Schmidt 

Es war 1974 oder 1975 wir (mein Bruder Klaus, Volker, Ludger, Ralf, Dietmar……) waren 9 oder 10 Jahre alt. Die Schule war Samstag um 12:00 Uhr zu Ende und wir hatten uns für Nachmittags zum Spielen verabredet. Im Schwemker Ring war ein großer Fichtenwald, Cowboy und Indianer spielten wir regelmäßig. So auch an diesem Samstag. Der Wald war für die Indianer und die selbst gezimmerte Hütte am Schwemker Bach war das Fort für die Cowboys. Es gab Streit und das Kriegsbeil wurde ausgegraben. Auf dem Streifzug durch die Straße wurde auch schnell ein Schuldiger gefunden. Franz der Italiener wohnte bei uns im Keller und hatte dort ein Zimmer. Schnell in den Hinterhalt gelockt und einen Stein an die Scheibe geworfen. Einen Augenblick später kam er auf den Hof gelaufen: „Juppo, (Josef heißt mein Papa) was ist los?“

Papa hatte 1962 das Haus gebaut und zwei Kellerzimmer an die Jungs aus Italien vermietet. Ein Zimmer hatte 20m² das andere 12m². Im kleineren habe ich heute mein Büro und hier wird die Tour vorbereitet. Sie lebten sehr bescheiden, denn jeder Pfennig wurde gespart und nach Hause in Italien geschickt. Die Zimmer wurden immer mit mehreren bewohnt. Auf Papa`s Frage was sie den für eine Tapete im Zimmer haben wollten, kam die Antwort: “Nur blaue Farbe an die Wand Juppo, das reicht.“ Tapete kennen sie nicht. Einmal in der Woche konnten dann alle bei uns im Badezimmer baden. Im Keller war nur eine Waschgelegenheit und eine Toilette. Am Sonntag war immer großes Sippentreffen der Italiener bei Schmidts im Schwemker Ring. Es wurde erzählt, gelacht, geschimpft und gekocht. Selbst Mamas Sauerbraten konnte die italienischen Küchendüfte nicht stoppen. Franz wohnte schon einige Jahre bei uns und arbeitet bei Lübken Bursel auf der Silmecke.

Bevor Franz nun die Lage erkannt hatte, war er gefesselt. Gutmütig wie er war ging er nach einer kurzen Erklärung mit. Im Wald wurde er sofort an den Materpfahl gebunden. Scheffers Sefa war an diesem Tag im Garten und zupfte das Unkraut. Es war so um die 30° im Schatten. Als Sie reingehen wollte, hörte Sie Hilferufe aus dem Wald. Da Franz öfter gerufen hatte, ging Sie den Hilferufen nach. Als Sefa im Wald angekommen war, fand Sie Franz am Baum angebunden. Er hatte Durst und die Nase gestrichen voll. Wir Jungs hatten ihn vergessen und waren schon seit 1 bis 2 Stunden mit anderen Dingen beschäftigt. Übel genommen hat er uns das nie, wir waren Kinder und er ein guter Kumpel für uns.  

Bernd Schmidt